De Seminex

Zweiter Akt

Endlich erreichen wir unter dunklen Vorzeichen das kleine, düstere Schlösschen meines Progenitores. Es ist auf dem Zorrilla gelegen, mit nur einer winzigen Gemeinde in der Nähe, in der man seinen Durst stillen kann. Es ist äußerst verborgen und da mein Progenitore dafür gesorgt hat, dass sich üble Legenden um den Ort ranken, wird es von niemandem aufgesucht. Das Geschickteste war es, meiner bescheidenen Meinung nach, dass er für die Legende gesorgt hat, den Namen des Schlosses zu erwähnen, bringe Unglück. Ich selbst gehe dieser Praxis nach, einfältig wie ich bin, und erwähne niemals seinen wahren Namen.
Das Schloss besteht aus drei Gebäuden, die sich allesamt in jämmerlichem Zustand befinden. Halb verfallen ist vor allem das Gesindehaus, es hat praktisch keinen Nutzen mehr. Die Ställe können ihrem Zwecke noch nachkommen, solang kein Sturm wütet. Das Haupthaus ist noch einigermaßen gepflegt, wenngleich der Zahn der Zeit schon mehr als ein wenig davon gekostet hat. Der Haupteingang zeugt noch von der einst aufwändigen Machart und dem opulenten Stuck, die hier einst Besucher erblassen ließen. Gesinde hat das Schloss noch immer strikt durch den Hintereingang zu betreten und zu verlassen. Für sie sind nun Quartiere in der Nähe der Küchen und Arbeitsräume im hinteren Bereich des Gebäudes eingerichtet, karg, wie ich hörte. Mittig im Erdgeschoß gelegen und bis in den ersten Stock hinausgehend ist der Ballsaal mit seiner wundervollen Gallerie. Ein Zwischenstock in Form eines Balkons befindet sich auf dessen Rückseite. Er ist nur von der Gallerie zu betreten und wird meistens von Musikern eingenommen, die von dort aus eine fantastische Euphonie zu ertönen imstande waren. Für das folgende Fest hatte mein Progenitore einen Kastratenchor beschworen, der angeleitet war, die ganze Nacht zu singen. Ein übliches Ausleseverfahren fand währenddessen statt: Nach und nach würden die Knaben vor Erschöpfung in Ohnmacht fallen, wer am längsten stand, hatte sich einen permanenten Platz im Chor meiner Blutschwester Klarabella gesichert. Sie akzeptierte nur Exzellenz, Leidenschaft und absolute Hingabe. Wie erwartet war nicht nur mein Progenitore mit seiner Folgschaft anwesend, sondern auch meine Blutschwester, die mich überschwänglich begrüßte. Seine Lordschaft, mein Blutsbruder Bernardo war weniger überschwänglich, gab sich aber Mühe seinen Gram vor unserem Progenitore zu verbergen. Er sollte sich in den folgenden Stunden jedoch in Zweisamkeit dazu hinreißen lassen, mir allerlei Unflat zu verbalisieren, das ich, ganz und gar nicht meiner Art entsprechend, immer ignorierte. Ich wollte unsere katastrophale Beziehung nicht noch mehr strapazieren, zumal nicht Heute…

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Dementius

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