De Seminex

Geschwisterliebe

Also verbrachte ich einige Tage mit meinen Geschwistern und meinem hochverehrten Progenitore. Ich hatte mir sehnlichst erwünscht, dass dieses Treffen, vielleicht das letzte seiner Art, sich so gestalten würde, wie unser früheres Beisammensein. Klara würde für Unterhaltung sorgen und ich würde mit meinem Bruder schon bald in philosophischen Diskussionen verwickelt das milde Lächeln unseres Vaters erkennen, das er trägt, wenn sich seine Kinder Mühe geben, ihre Klugheit auf die Probe zu stellen. Wie sehr hatte ich mir gewünscht all dies noch einmal zu erleben, noch einmal zu erfahren, wie es war, bevor meine Schwester die üblen Gestalten des Pariser Hofes und mein Bruder die Schrecken Neuspaniens kennenlernten. Dies, so hatte ich mir erhofft, hätte mein Herz zum schlagen bringen können, allein, es war mir nicht vergönnt. Eine Atmosphäre der Intrige und der Grausamkeit lag in der Luft – meine Geschwister bissig, mein Progenitore müde. Ich hätte wachsamer sein sollen, doch die kleine Heerschar an Ghoulen, für die ich nun Verantwortung trug, ermattete meinen Willen und sonst schneidigen Geist und ich konnte kaum die Anwesenheit der starken Tiere meiner Geschwister ertragen.
Dann erwachte ich in einem rasenden Rausch, mit einem entsetzlichen Schmerz in meiner Brust, der mich zu zerfetzen drohte. Etwas in mir war vernichtet worden und durch die Wände meines Zimmers konnte ich das Toben und Heulen meiner Blutsgeschwister hören. Die schlimmste Nacht meines bisherigen Unlebens sollte beginnen.

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Dementius

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